Verstehe die Körpersprache deiner Katze 

Was dir deine Katze mit Schwanz, Ohren & Co. sagen will: Lerne, ihre Körpersprache richtig zu deuten: Für weniger Missverständnisse jetzt lesen!
Inhaltsverzeichnis

Für weniger Missverständnisse und mehr Vertrauen im Mensch-Katze-Team

Als Katzentrainerin begegnen mir täglich Missverständnisse zwischen Mensch und Katze. Etwa wenn eine Katze augenscheinlich ruhig in der Transportbox sitzt und wir denken: “Super, sie maunzt nicht. Scheint ihr gut zu gehen.” Aber beim genauen Hinsehen ist erkennbar, dass sie alles andere als entspannt ist. Sie vielmehr nackte Angst zeigt.

Tatsächlich ist es so, dass wir erst, wenn wir die Körpersprache unserer Katzen verstehen, ihre Signale richtig lesen, und frühzeitig erkennen, wenn sie sich unwohl fühlt entsprechend reagieren können. 

In diesem Beitrag möchte ich dir deshalb zeigen, wie du deine Katze besser lesen lernst. Ich erkläre dir, was ihre Körpersprache bedeutet und wie du sie richtig deutest, damit ihr euch noch besser versteht und Missverständnisse gar nicht erst entstehen. Denn das ist die Basis für eine innige, von Verständnis geprägte Mensch-Katze-Beziehung.

Ein stiller Dialog oder wie du die Körpersprache deiner Katze deutest

Katzen kommunizieren nicht nur untereinander, sondern auch mit uns zum größten Teil über ihre Körpersprache. Auch Duftstoffe und Lautäußerungen spielen eine Rolle, doch in diesem Beitrag konzentrieren wir uns ganz auf die nonverbalen Signale, die oft leise, aber umso ausdrucksstärker sind.

Denn eines steht fest: Die Kommunikation von Katzen ist subtil und gleichzeitig erstaunlich eindeutig, wenn wir gelernt haben, sie richtig zu deuten.

Beginnen wir mit einem Blick auf die verschiedenen Körperteile, die Katzen

gezielt zur Kommunikation einsetzen: Dazu gehören der Schwanz, die Ohren, die Augen, die Schnurrhaare sowie die gesamte Körperhaltung.

Die einzelnen Puzzleteile ergeben das Gesamtbild über das Befinden deiner Katze

Wichtig ist, dass wir uns bewusst machen, dass sich die eigentliche Bedeutung erst im Zusammenspiel mehrerer Signale entfaltet. Etwa wenn sich die Stellung des Schwanzes nur im Kontext mit den Katzenohren und Schnurrhaaren richtig interpretieren lässt. Wir sollten nie beispielsweise nur von den Ohren oder Augen allein auf das Befinden unserer Katze schließen.

Der Katzenschwanz: das Stimmungsbarometer

Der Schwanz dient Katzen nicht nur zur Balance, etwa beim Springen, er ist auch wichtiges Kommunikationsmittel. Und dabei super aussagekräftig, wenn wir wissen, wie wir ihn zu lesen haben. Dazu werfen wir jetzt einen Blick auf die verschiedenen Schwanzstellungen von Katzen und was sie bedeuten können:

  • Neutrale Schwanzhaltung: Lässt deine Katze ihren Schwanz nach unten hängen, wobei die Schwanzspitze nach oben zeigt, deutet das an, dass sie entspannt und zufrieden ist.
  • Aufrecht mit fast gerader oder leicht gekrümmter Spitze: Diese Schwanzhaltung erinnert ein wenig an ein Fragezeichen. Sie ist ein gutes Indiz dafür, dass deine Katze in guter Stimmung ist und sich wohlfühlt. Vibriert der Schwanz gleichzeitig, kommt freudige Aufregung dazu. Das kannst du zum Beispiel gut beobachten, wenn du nach einem langen Tag die Wohnung betrittst und deine Katze einfach nur happy ist, dich zu sehen.
  • Schlagender Schwanz: Es handelt sich hierbei nicht um freudiges Schwanzwedeln, wie wir es von Hunden her kennen. Bei Katzen ist die peitschende Schwanzbewegung ein Zeichen für Unsicherheit, Stress, Frustration oder Aufregung. Sie kann in Spiel- oder Jagdlaune sein oder Schmerzen haben. Wie genau ihr Gefühlszustand aussieht, kann uns nur der Kontext liefern. Hier sehen wir, wie wichtig es ist, auch einen Blick auf die anderen Körperteile der Katze zu haben, mit denen sie ihre Stimmung ausdrückt. Dazu später mehr.
  • Zwischen die Beine geklemmter Schwanz: Dieses Verhalten kennen wir tatsächlich von Hunden. Es kann Angst oder Unsicherheit signalisieren. Meistens macht sich die Katze gleichzeitig klein und drückt sich mit dem Körper auf den Boden.
  • Aufgestellte “Flaschenbürste”: Bleibt deine Katze beim Spaziergang draußen plötzlich stehen und streckt den aufgeplusterten Schwanz in die Luft, sendet klare Signale. Oft plustert sie auch das Fell am Rücken und den Wangen auf, um größer zu wirken. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass eine fremde Katze im Revier aufgetaucht ist und deine Katze nicht sehr erfreut darüber ist.
  • Herunterhängende “Flaschenbürste”: Die Katze sträubt ihr Haarkleid, aber ihr Schwanz zeigt nach unten? Das sind Indizien dafür, dass sie ängstlich und tendenziell drohend unterwegs ist. Sie ist kampfbereit, wenn es sich nicht umgehen lässt.
  • Abwehrende Schwanzhaltung bei Katzen: Diese zeigt sich meist als Beschwichtigungsgeste in Konfrontation mit Artgenossen. Dabei geht die Katze in den Abwehrmodus, wobei sie sich auf die Seite legt, einen Buckel macht und sich auf den Boden drückt. Ihr Schwanz formt dabei einen Bogen.
  • Ein um den Körper gelegter Schwanz ist ein Zeichen dafür, dass deine Katze es gerade behaglich und ganz entspannt hat.
Körpersprache Katze Schwanz

Was dir die Ohrenhaltung deiner Katze wirklich verrät

Das Ohrenspiel von Katzen ist ähnlich vielfältig wie die Schwanzstellung.

  • Sind die Katzenohren aufrecht und nach vorne gerichtet, zeigt sie damit Aufmerksamkeit, Interesse und Neugierde. Alles positiv konnotierte Gefühlsregungen, die für eine entspannten Grundstimmung sprechen.
  • Sind die Ohren steil hoch aufgerichtet weist das darauf hin, dass die Katze in Alarmbereitschaft ist. Positiv wie auch negativ. Diese Ohrposition kann z.B. eine Katze haben, wenn sie spielt oder jagt und deshalb unter Strom steht. Stellt sie ergänzend dazu noch Rücken-, Hals- und Wangenfell auf, streckt ihren aufgeplusterten Schwanz steil in die Luft und macht einen Buckel, ist der Vibe eher negativ. Es riecht sozusagen nach Ärger.
  • Du kennst es mit Sicherheit, wenn deine Katze so richtig schön relaxed oder schläfrig ist. In diesem Entspannungs-Modus befinden sich ihre Ohren seitlich leicht aufgerichtet in Ruheposition.
  • Wenn Katzen schlummern oder kurz davor sind einzuschlafen, haben sie manchmal ein Ohr aufgestellt, während das andere zur Seite gedreht ist: Das passiert, wenn sie gerade mit geschlossenen Augen ein Geräusch registrieren.

Aber auch hier kommt es wieder auf den Kontext an: Ein abgeknicktes und ein aufgestelltes Ohr können auch ein Zeichen von Unsicherheit oder Anspannung sein. Nämlich dann, wenn sie gleichzeitig langsam den Schwanz von einer Seite auf die andere bewegt. 

  • Dreht eine Katze beide Ohren deutlich zur Seite oder legt sie seitlich an, fühlt sie sich unbehaglich.
Körpersprache Katze Augen

Jetzt darfst du genauer hinschauen: Der Öffnungsgrad ihrer Pupillen kann dir helfen, einzuschätzen, was in deiner Katze gerade vor sich geht. Sind ihre Pupillen zusätzlich zu den angelegten Ohren geweitet, hat sie wahrscheinlich Angst. Sind die Katzenpupillen hingegen schmal, ist sie höchstwahrscheinlich verstört oder aggressiv und macht sich eventuell bereit zur Verteidigung.

  • Sind die Katzenohren flach nach hinten angelegte, ist das meist ein eindeutiges Zeichen für Angst oder Wut. Mit der Ohrhaltung befinden sich bei Wut bzw. aggressiver Stimmung die Katzenpfoten in einer sprungbereiten Haltung. Vielleicht faucht die Katze bereits. Hier ist ganz klar dein Rückzug angeraten, denn das Tier steht unter großem Stress und könnte auf Angriff gehen.

Die Augen: Fenster zur Katzenseele

Katzenaugen sind etwas ganz Besonderes. Ihre Pupillen haben eine vertikale Schlitzform, die es ihnen ermöglicht, sich optimal an unterschiedliche Lichtverhältnisse anzupassen. So ziehen sie sich bei starker Helligkeit zu schmalen Schlitzen zusammen. In dunkler Umgebung erweitern sie sich, um mehr Licht einzufangen. Diese Anpassung dient aber nicht nur dem Sehen, sondern auch dem Ausdruck von Emotionen.

Die Interpretation der Augen sollten wir allerdings wie alle anderen Einzelaspekte immer im Zusammenhang mit der gesamten kätzischen Körpersprache sehen. Die Pupillengröße allein reicht niemals aus, um den Zustand einer Katze sicher zu interpretieren.

Emotionale Zustände und Pupillengröße bei Katzen

Geweitete, große, runde Pupillen können auf Neugier, Aufregung oder Angst hinweisen.

Wenn deine Katze gleichzeitig aufrechte Ohren sowie nach vorne gerichtete Schnurrhaare zeigt, ihr Gang aufrecht und der Schwanz lebhaft in Bewegung ist, hat etwas ihr Interesse geweckt. Besonders wenn sie sich mit fokussiertem Blick langsam auf etwas zubewegt,  könnte das auf Jagdverhalten hinweisen.

In Kombination mit angelegten Ohren und einem geduckten Körper sprechen geweitete Pupillen für Angst oder Unsicherheit. Häufig ist dabei auch der Schwanz eng am Körper gehalten oder zuckt nervös.

Wichtig: Auch bei Schmerzen kann es zu einer Erweiterung der Pupillen kommen – insbesondere dann, wenn die Katze zusätzlich ein zurückgezogenes Verhalten zeigt, wenig frisst oder Berührungen meidet. Wenn du mehr über die Körpersprache von Katzen bei Schmerzen wissen magst, schau dir dazu gerne meinen Blogpost zum Schmerzgesicht bei Katzen  an.

Katze Körpersprache Augen

Verengte Pupillen als Warnsignal

Sind die Pupillen einer Katze nur noch schmal wie zwei Schlitze, gleichzeitig ist ihr Blick starr und die Ohren sind flach angelegt, ist das ein Zeichen für Aggression oder Unbehagen. In solchen Momenten sollten wir Vorsicht walten lassen, da sie sich wahrscheinlich bedroht fühlt.

Langsames Blinzeln als Vertrauensbeweis

Vielleicht kennst du es von deiner Katze in ruhigen Kuschelmomenten: ihre Augen sind halb geöffnet und sie blinzelt dich langsam an. Ein echtes Zeichen von Vertrauen und Zuneigung. Blinzle zurück. Das sagt ihr: “Du kannst mir vertrauen.”

Schnurrhaare lesen lernen, so erkennst du Stress, Neugier & Co.

Auch die Schnurrhaare sind Teil der Katzen-Körpersprache. Sie können überraschend dir viel Auskunft darüber geben, wie sich deine Katze gerade fühlt.

  • Entspannte Haltung: Sind die Schnurrhaare locker zur Seite gerichtet, eventuell leicht nach unten hängend, ist deine Katze entspannt. Sie fühlt sich wohl und sicher.
  • Aufmerksame Neugier: Sind die Härchen leicht nach vorne gerichtet, findet deine Katze gerade etwas interessant. Und sie will es näher untersuchen. Sie ist wachsam, aber nicht in Alarmbereitschaft.
  • Erregung oder Aggression: Die Schnurrhaare deiner Katze sind weit aufgefächert, deutlich nach vorne gespreizt und angespannt? Sind ihre Ohren gleichzeitig nach vorne gerichtet, ist sie gerade entweder so richtig in Spiellaune oder etwas hat ihren Jagdinstinkt angesprochen. Hat sie die Ohren angelegt und ihr Körper ist angespannt, kann dies ein Zeichen für Aggression sein.
  • Angst oder Unsicherheit: Ein klares Zeichen für Angst oder große Unsicherheit ist es, wenn deine Katze die Schnurrhaare nach hinten an die Wangen zieht. Sie geht damit in eine Abwehrhaltung, weil sie sich bedroht fühlt. Gib ihr jetzt Freiraum und bedränge sie nicht.
Körpersprache Katze Schnurrhaare

Der Katzenbuckel: Mehr als nur eine Drohgebärde

Der klassische Katzenbuckel ist ein vielseitiges Ausdrucksmittel in der Körpersprache der Katze.

  • Angst oder Verteidigungsbereitschaft: Wenn sich eine Katze bedroht fühlt, macht sie einen Buckel, stellt das Fell auf und legt die Ohren an. Diese Haltung soll sie größer und bedrohlicher erscheinen lassen, um potenzielle Angreifer abzuschrecken.
  • Spielverhalten: Besonders junge Katzen zeigen den Katzenbuckel beim Spielen. Sie laufen und springen seitlich mit gekrümmtem Rücken und aufgestelltem Fell – ein Zeichen von Übermut und Spielfreude.

Wohlbefinden beim Streicheln: Manche Katzen wölben ihren Rücken, wenn sie gestreichelt werden, um mehr Kontakt zur Hand zu bekommen. Das können wir als ein Zeichen von Genuss und Vertrauen verstehen

Rückenlage bei Katzen: Vertrauen oder Verteidigung?

Wenn eine Katze sich auf den Rücken legt und den Bauch zeigt, kann das verschiedene Bedeutungen haben:

  • Vertrauensbeweis: Der Bauch ist eine empfindliche Körperregion. Wenn deine Katze ihn zeigt, signalisiert sie, dass sie sich sicher und geborgen fühlt. Es ist aber nicht immer eine Einladung, ihren Bauch auch zu berühren.
  • Spielaufforderung: Katzen rollen sich auf den Rücken, um mit Spielzeugen zu interagieren. In dieser Position können sie mit allen vier Pfoten nach der „Beute“ schlagen.
  • Verteidigungsposition: In bedrohlichen Situationen kann die Rückenlage auch eine defensive Haltung sein. Die Katze ist bereit, sich mit allen vier Pfoten und ihren Zähnen zu verteidigen.
  • Gesundheitliche Ursachen: Manchmal kann häufiges Liegen auf dem Rücken auf gesundheitliche Probleme hinweisen, wie z.B. Schmerzen oder neurologische Störungen

Warum das Lesen der Körpersprache deiner Katze so entscheidend ist

Ob zwischen die Beine geklemmter Schwanz, angelegte Ohren oder geweitete Pupillen – wenn deine Katze sich in der Transportbox verkrampft, zeigt sie dir mit ihrer Körpersprache ganz deutlich: „Ich habe Stress!“

Leider bleiben solche Signale oft unbemerkt – mit der Folge, dass unangenehme Erfahrungen sich verfestigen und künftige Situationen noch schwieriger werden.

Wir sehen: Nur wenn wir lernen, die einzelnen Körpersignale unserer Katze im Zusammenspiel zu deuten – wie ein Puzzle, bei dem jedes Teil zählt – können wir Missverständnisse vermeiden und echte Vertrauensarbeit leisten.

Das Katzenverhalten zu verstehen ist nicht nur im Katze-Mensch-Alltag wichtig, sondern bildet auch die Grundlage für erfolgreiche Trainingsmethoden:

  • Beim Medical Training  erkennen wir frühzeitig Stresssignale und können gezielt gegensteuern, statt sie zu übergehen.
  • Beim Clickertraining hilft uns die Körpersprache, die Motivation und Stimmung unserer Katze besser einzuschätzen.
  • Und bei Katzenspaziergängen ist sie unerlässlich, um rechtzeitig zu reagieren, bevor deine Katze sich überfordert oder bedroht fühlt.


In all meinen Kursen ist deshalb eines zentral: das Verständnis für die feinen, leisen Signale deiner Katze. Denn sie sind der Schlüssel zu einem harmonischen Miteinander und zu einer Beziehung auf Augenhöhe.

 

Liebe Grüße

Chris

Liebe Grüße

Chris

Katzentraining Christianne Gasser
Hi! Ich bin Chris, deine Katzentrainerin.

Hier erfährst du, wie du deinen Katzen einen erfüllenden Alltag schenkst und wie ihr eine Beziehung auf Augenhöhe lebt.

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